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Unser Projektgebiet

In Bayern gibt es seit dem Jahr 2016 wieder wildlebende Wölfe. Die Oberpfalz stellt seitdem einen wichtigen Knotenpunkt in der Wolfsverbreitung in Bayern dar. Den Kern unserer Projektregion bilden zwei Truppenübungsplätze und die sie umgebende Kulturlandschaft. Unsere Projektgebiete befinden sich auf den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels. In Grafenwöhr konzentrieren wir uns vorranging auf zwei Forstreviere: Nitzlbuch und Stegenthumbach. Die Gebiete liegen ca. 7.5km voneinander entfernt. Das Revier Nitzlbuch liegt im westlichen Teil des Truppenübungsplatzes und wird regelmässig für militärische Übungen genutzt. Zudem durchquert eine Panzerstrasse das Revier und somit ist die menschliche Aktivität vergleichsweise hoch. In Stegenthumbach hingegen befindet sich kaum Infrastruktur und es gibt zwar viele militärische Übungen um das Gebiet, aber im Revier selbst kaum menschliche Aktivität. Ausserdem unterscheiden sich die Gebiete in der Habitatsstruktur. Nitzlbuch besteht zu rund 68% aus Offenland und 26% Wald, während Stegenthumbach 43% Offenland und 53% Wald ausmacht.

Warum Forschung auf Truppenübungsplätzen? 

Truppenübungsplätze (TrÜbPl) spielen für die Ausbreitung von Wölfen in Deutschland eine entscheidende Rolle. Aus verschiedenen Gründen, vor allem wohl der relativen Ruhe und des hohen Angebotes an Beutetieren, stellen sie einen idealen Lebensraum dar. Militärflächen dienen Wölfen daher häufig als Trittsteine für eine weitere Ausbreitung in die Kulturlandschaft.

Auch die wildlebenden Beutetiere des Wolfs werden auf militärisch genutzten Flächen viel weniger als unter gewöhnlichen Bedingungen durch menschliche Faktoren (z.B. Freizeitnutzung, Bejagung) beeinflusst. Solche Rahmenbedingungen erlauben es, grundsätzliche Mechanismen der Räuber-Beute-Beziehung aufzudecken. Dies ist das Ziel unserer Untersuchungen auf dem TrÜbPl Grafenwöhr. Sobald sich Wölfe auch auf dem TrÜbPl Hohenfels ansiedeln, werden dort potentielle Konflikte mit der Schafbeweidung und Maßnahmen zum effektiven Herdenschutz in den Mittelpunkt rücken.

Stegenthumbach

Nitzlbuch

Karte unserer Projektgebiete in Grafenwöhr

Stegenthumbach

Nitzlbuch

Entwicklung des Wolfbestandes in der Projektregion

Im Veldensteiner Forst (Waldgebiet westlich vom TrÜbPl GW ) und vom TrÜbPl Grafenwöhr gab es über die letzten Jahre folgende Meldungen:​​

 

  • August 2016: Vermutlich erster Wolfsnachweis

  • März 2017: Bestätigung eines Paares auf dem TrÜbPl Grafenwöhr – ein Rüde aus der europäischen Tieflandpopulation und eine Fähe aus einem Rudel südwestlich von Potsdam, Brandenburg. 

  • Jan. 2018: Durchgehende Anwesenheit einer Fähe im Veldensteiner Forst bestätigt. Das Tier wurde erstmals im April 2017 nachgewiesen, stammt ebenfalls aus einem Rudel südwestlich von Potsdam, aber unterscheidet sich aber genetisch von der Fähe vom TrÜbPl Grafenwöhr.

  • März 2018: An einem Hirschkalb im Veldensteiner Forst wurden Spuren eines Rüden und der Fähe vom Januar nachgewiesen.

  •  August 2018: Zwei Wolfswelpen konnten im Veldensteiner Forst gesichtet werden (siehe Bild).

  • Sept. 2019: Videonachweis von vier Jungwölfen im Veldensteiner Forst, drei Tage später wurde die Fähe tot an der BT28 aufgefunden.

  • März 2020: Das Paar vom TrÜbPl Grafenwöhr hat sich bisher nicht fortgepflanzt. Auf Fotos von Wildkameras konnten jedoch mehr als zwei adulte Wölfe gesichtet werden. 

Rotwildmanagement auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr
 

Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist eine heimische Wildwiederkäuerart, die Lebensräume mit großen offenen Lichtungen und strukturreichen Wäldern und Dickungen bevorzugt. In unserer heutigen, intensiv genutzten Kulturlandschaft wird der Hirsch jedoch durch Bejagung und andere menschliche Aktivitäten in den Wald verdrängt, wo er häufig  forstwirtschaftliche Schäden anrichtet. 

Anders auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr: Hier wurde das Rothirschmanagement angepasst und die Bestände werden nur noch an wenigen Tagen im Jahr bejagt. Dem Rothirsch stehen weite Teile seines Lebensraums ganztägig zur Verfügung und die Habitatnutzung kann über ein gezieltes Management gesteuert werden (Meißner et al., 2012, „Vom Wald ins Offenland“). Das bedeutet, dass wir eine Bejagung des Rotwilds nach heutigen Erkenntnissen anders denken und organisieren müssen, als man das noch vor einem Jahrzehnt glaubte. Nicht die flächendeckende Bejagung nach dem Gießkannenprinzip ist aus forstlicher Sicht zielführend, sondern eher eine an den Verjüngunsflächen orientierte Schwerpunktbejagung mit hinreichend Möglichkeit der Äsungsaufnahme auf (unbejagten) Offenflächen und hinreichend Ruhezonen. Diese Erkenntnisse haben in Grafenwöhr bereits vielfach Eingang in praktisches Handeln gefunden. So werden Schäden im Wald reduziert und das Offenland durch die Wildtiere offen gehalten. 

Wolf und Verhalten

Mit Hilfe von GPS-Telemetrie, Fotofallen, Analysen der Nahrungszusammensetzung und weiteren Forschungsmethoden werden Raumnutzung und Verhalten der Wölfe untersucht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage, ob und wie Wölfe siedlungsnahe Bereiche nutzen, sowie auf potentiellen Konflikten mit der Haltung von Weidetieren.

Es wird untersucht, welche Folgen die Wiederbesiedlung der Kulturlandschaft durch den Wolf für verschiedene Formen der Landnutzung mit sich bringt. Weideflächen in der Region werden kartiert und Nutztierhalter zum Einfluss der Wolfspräsenz auf die Weidehaltung befragt. Mögliche Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung in Wald und Offenland werden anhand von Verbissaufnahmen, Ausschlussexperimenten sowie Erhebungen der lokalen Dichte von Reh und Rothirsch erfasst.

Wolf und Landnutzung

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr untersuchen wir die Räuber-Beute-Beziehung zwischen Wolf und Rothirsch. Rothirsche werden mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihr Verhalten und dieLebensraumnutzung hinsichtlich möglicher Veränderungen durch die zunehmende Wolfspräsenz zu analysieren. Die jährliche Jagdstrecke liefert Kennzahlen zur Populationsdynamik und -struktur des Rothirschbestands. 

Wolf und Rothirsch
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Die Wiederbesiedelung der Kulturlandschaft durch den Wolf -

Lebensraumnutzung, Auswirkungen auf Beutetiervorkommen und mögliche Folgen

für die regionale Land- und Forstwirtschaft 

created by Nina Gerber

nina.gerber.ecology@gmail.com