Karte unserer Projektgebiete in Grafenwöhr

Wolf und Verhalten

Fragestellung

 

Die Biologie des Wolfes wurde weltweit in unterschiedlichen Lebensräumen mit etablierten Vorkommen umfassend erforscht. Die erfolgreiche Rückkehr des Wolfes in eine intensiv genutzte und vergleichsweise dicht besiedelte Kulturlandschaft wie in Mitteleuropa ist jedoch ein bisher weitgehend einmaliger Prozess. Über Verhalten und Lebensraumnutzung von Wölfen in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft ist wenig bekannt. In Deutschland gibt es zwar eine Dokumentation der Wolfsbestände und deren Verbreitung, aber es gibt noch viel Potential für die Behandlung konkreter Forschungsfragen. Wir wollen das Verhalten des Wolfes in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft beleuchten und die Lebensraumnutzung, Anpassungen an menschliche Aktivität sowie den Einfluss auf das Ökosystem wissenschaftlich untersuchen und mögliche Konfliktgebiete identifizieren. 

Besenderung der Wölfe

Der Fang und die Besenderung von Wölfen soll vorrangig in den Kernlebensräumen, den beiden Truppenübungsplätze, und ggf. im Veldensteiner Forst erfolgen. Der Fang von Wölfen – äußerst anpassungsfähigen, intelligenten und lernfähigen Tieren – stellt eine große Herausforderung dar. Somit ist die Entwicklung und Erprobung von Fangmethoden eine eigenständige Aufgabe im Rahmen des Projektes. 

Die Grundlage für das Fangen von Wölfen ist, dass die Tiere die Fanganlage akzeptieren, das heißt, dass sie nicht davor zurückschrecken. Die Annahme einer Fangeinrichtung basiert im Wesentlichen auf dem Zusammenspiel von natürlicher Scheu vor ungewohnten Reizen und der Lockwirkung eines Köders. Bei Wölfen ist die Annahme einer Fangeinrichtung extrem schwierig, da die Tiere von Natur aus sehr scheu und intelligent sind. Daher planen wir, verschiede Fangmethoden auszuprobieren. 

@Marcus wollen wir hier näher auf die verschiedenen Fangmethoden eingehen? Und ggfs. Bilder/Videos der Fallen zeigen

Soft-Catch-Trap zum Artgerechten Fang der Wölfe

Kamerafallen

Um zusätzlich zu den Telemetriedaten weitere Daten zur Wolfspräsenz zu erfassen, bringen wir in unseren Kerngebieten systematisch Fotofallen aus. Diese Kameradaten sind unabhängig vom Fangerfolg und können uns wichtige Informationen zum Vorkommen und zur Lebensraumnutzung der Wölfe liefern. Dazu bringen wir die Fotofallen an strategisch gelegenen Standorten (beispielsweise entlang von Straßen) an, um möglichst viele Nachweise von Wölfen zu generieren und regelmäßige Wolfsstandorte zu identifizieren. Die Kamerabilder können aber auch zusätzliche Informationen zu Rothirschdichten oder Interaktionen zwischen Wölfen und Rothirschen einbringen.

  
Für die Klassifizierung der Bilder kombinieren wir den Microsoft AI for earth mit Daten aus unseren Kamerafallen, um eine möglichst genaue und zeitsparende Klassifizierung der Bilder zu erhalten. Danach können wir die Wolfsnachweise analysieren, um mehr über die Lebensraumnutzung und das Vorkommen der Wölfe herauszufinden. Zudem können wir die räumlich und zeitlich expliziten Wolfsnachweise von den Kamerafallenbildern mit den Telemetriedaten der Rothirsche vergleichen, um die Interaktion von Wolf und Rothirsch zu untersuchen. 

Hier brauchen wir auch noch ein eigenes Bild!

Wolfsnachweis auf einer Kamerafalle in Grrafenwöhr

Lebensraumnutzung

Die meisten Studien zur Lebensraumnutzung des Wolfes stammen aus Nordamerika oder aus etablierten Populationen aus Skandinavien, Italien, Spanien oder Polen. Diese Lebensräume sind aber kaum mit der dicht besiedelten Kulturlandschaft Mitteleuropas vergleichbar. Eine Analyse der Raumnutzung wird Aufschluss über die Lebensweise des Wolfs in unserer Kulturlandschaft bringen. Hierzu gehören insbesondere Territoriumsgrößen, Explorationsverhalten, tages- und jahreszeitliche Lebensraumnutzung und die funktionale Bedeutung bestimmter Lebensraumbereiche (z.B. Ruhe- / Rückzugsräume, Nahrungssuche). 

Zudem können wir die Bewegungsdaten der Tiere in Zusammenhang mit menschlicher Aktivität und Infrastruktur stellen. Wölfe sind scheue Wildtiere, nutzen aber gerne menschliche Strukturen wie Straßen und verbreiten sich aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit auch in relativ dicht besiedelten Regionen. Regelmäßiges Auftreten von Wölfen in Siedlungsnähe im ländlichen Raum ist Teil ihrer natürlichen Lebensraumnutzung, stellt aber gleichzeitig ein erhebliches Konfliktpotential dar. Wir werden unsere Telemetriedaten erstmals dazu nutzen, diese Annäherungen an menschliche Strukturen vor dem Hintergrund der gesamten Lebensraumnutzung eines Individuums zu quantifizieren und zu analysieren. Diese Ergebnisse werden gegebenenfalls auch in das Risikomodell aus dem Projektteil "Wolf und Landnutzung"einfließen . 

Auf Grundlage der Bewegungsdaten analysieren wir die Lebensraumattraktivität für den Wolf. Mit diesen Daten versuchen wir dann mögliche zukünftige Verbreitungszentren in Bayern vorherzusagen. Zusammen mit den Daten zu Nutztierrissen und Weidetierhaltung aus dem Projektteil "Wolf und Landnutzung", Landschaftsstrukturdaten und Informationen zum Beutetierangebot versuchen wir Risikofaktoren für Nutztierübergriffe zu identifizieren und ein räumlich explizites Modell zur Risikoabschätzung zu erstellen. Mit diesem Modell können wir dann mögliche Konfliktzonen identifizieren und Weidetierhalter informieren.

Außerdem können wir die Daten zur Lebensraumnutzung des Wolfs dazu nutzen, die Auswirkungen seiner Rückkehr auf das Ökosystem zu untersuchen. Die meisten Studien, in denen untersucht wurde, wie sich der Wolf auf das Ökosystem auswirkt, stammen aus Nordamerika. Im Rahmen eines Naturschutzprojektes wurden dort Wölfe im Gebiet des Yellowstone National Park wieder angesiedelt. Die in den 1990er Jahren ausgesetzten Tiere vermehrten sich dort schnell und beeinflussten das ganze Ökosystem (hier gibt es einen Artikel dazu). Diese Studien sind aber kaum vergleichbar mit der Situation in Europa, wo der Wolf auf natürlichem Wege in eine dicht besiedelte Kulturlandschaft zurückkehrt. In unsere Studie wollen wir  Telemetriedaten von Wölfen und Rothirschen verknüpfen, um die Auswirkungen der Wolfspräsenz auf das Verhalten und die Lebensraumnutzung der Rothirsche zu ermitteln (mehr Informationen dazu finden Sie im Projektteil  Wolf und Rothirsch).

Hoffentlich können wir bald eine eigene Bewegungsdaten zeigen.  Hier sind Telemetriedaten vom Voygerus Wolf Projekt abgebildet. 

Wolf und Verhalten

Mit Hilfe von GPS-Telemetrie, Fotofallen, Analysen der Nahrungszusammensetzung und weiteren Forschungsmethoden werden Raumnutzung und Verhalten der Wölfe untersucht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage, ob und wie Wölfe siedlungsnahe Bereiche nutzen, sowie auf potentiellen Konflikten mit der Haltung von Weidetieren.

Es wird untersucht, welche Folgen die Wiederbesiedlung der Kulturlandschaft durch den Wolf für verschiedene Formen der Landnutzung mit sich bringt. Weideflächen in der Region werden kartiert und Nutztierhalter zum Einfluss der Wolfspräsenz auf die Weidehaltung befragt. Mögliche Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung in Wald und Offenland werden anhand von Verbissaufnahmen, Ausschlussexperimenten sowie Erhebungen der lokalen Dichte von Reh und Rothirsch erfasst.

Wolf und Landnutzung

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr untersuchen wir die Räuber-Beute-Beziehung zwischen Wolf und Rothirsch. Rothirsche werden mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihr Verhalten und dieLebensraumnutzung hinsichtlich möglicher Veränderungen durch die zunehmende Wolfspräsenz zu analysieren. Die jährliche Jagdstrecke liefert Kennzahlen zur Populationsdynamik und -struktur des Rothirschbestands. 

Wolf und Rothirsch
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Die Wiederbesiedelung der Kulturlandschaft durch den Wolf -

Lebensraumnutzung, Auswirkungen auf Beutetiervorkommen und mögliche Folgen

für die regionale Land- und Forstwirtschaft 

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