Wolf und Rothirsch

Fragestellung

Die Rückkehr des Wolfes bringt nicht nur Konsequenzen für die Forstwirtschaft und Weidetierhaltung mit sich, sondern für das ganze Ökosystem. Als großer Beutegreifer kann der Wolf einerseits einen direkten Einfluss auf die Populationsgröße von Rothirschen haben, andererseits aber auch indirekt durch seine bloße Anwesenheit das Verhalten und die Lebensraumnutzung von Rothirschen beeinflussen.  In diesem Projektteil wollen wir die Beziehungen zwischen Wolf und seinen natürlichen Beutetieren erfassen und analysieren. Besonderen Fokus setzen wir auf die Lebensraumnutzung, das Verhalten und die Bestandsentwicklung beim Rothirsch und mögliche      Konsequenzen für das Wildtiermanagement.

Nahrungsanalysen Wolf

In einem erste Projektteil untersuchen wir durch Rissbegutachtungen und genetische Analysen von Wolfslosung welchen Anteil der Rothirsch in der tatsächlichen Beute des Wolfes ausmacht. Bisherige Analysen zeigten, dass Rehwild bisher einen grösseren Anteil in der Beute ausmacht. Dies kann sich jedoch mit wachsenden Rudelgrößen und einer Anpassung an die vorherrschende Wildart Rotwild jedoch ändern.

 

Gleichzeitig statten wir während der gesamten Projektzeit weitere Rothirsche aus den Projektgebieten mit GPS Sendern aus. Die gesammelten Daten werden dann auf Veränderungen des Raum-Zeit-Verhaltens und der Lebensraumnutzung untersucht. Zusammen mit Fotofallennachweisen und Daten der besenderten Wölfe (siehe Wolf und Verhalten), wird die Auswirkung der Wolfspräsenz auf Änderungen im Rothirsch verhalten quantifiziert und wissenschaftlich analysiert.

Wolfslosung voll mit Haaren, Zähnen und Knochen

Populationsdynamik

Die Populationsdynamik beschreibt die Veränderung der Populationsgröße über Zeit und wird  über die Geburtenrate, Mortalität und Migration bestimmt. Hier beschäftigen wir uns mit dem aktuellen Ist-Zustand der Rothirschpopulation und dokumentieren Veränderungen während der fünfjährigen Projektlaufzeit. Diese Veränderungen versuchen wir dann in Zusammenhang mit Veränderungen in der Wolfspräsenz zu stellen. Eine genaue Kenntnis über den tatsächlichen Einfluss des Wolfes auf Rothirschbestände ist essentiell, um Managementmaßnahmen anzupassen. Um Populationsdichten und weiter Parameter zu bestimmen führen wir folgende Untersuchungen durch:​

  • Schätzung der Popultionsgrösse: anhand von Rothirschlosung: darüber entsteht eine erste Schätzung der Populationsgrösse

  • Analyse von Jagdstrecken: bei den groß angelegten Bewegungsjagden auf dem gesamten Truppenübungsplatz fällt jährlich eine Strecke von 1000-1300 Rothirschen an. Hier werden Daten zum Gewicht, der Kondition der Tiere, der Fruchtbarkeit (Trachtenuntersuchung) und des parasitären Status (vor allem zum amerikanischen Leberegel) erhoben.

  • Kotanalysen: wir untersuchen in regelmäßigen Abständen Stichproben auf Abbauprodukte von verschiedenen Stresshormonen (Kortikoiden, Progesteron, Östrogenen/Testosteron) um den Stresszustand zu notieren. Bei weiblichen Rothirschen kann zusätzlich die Trächtigkeitsrate bestimmt werden. 

  • Kälbertelemetrie: Mittels      einer Wärmebildkamera suchen wir      frisch gesetzte Kälber im Offenland und versehen diese mit VHF-Ohrmarken. Diese Ohrmarken senden hochfrequentiert Signale (Very High Frequency), welche wir über Richtantennen lokalisieren können. Darüber können wir die Mortlitätsrate von Rothirschkälbern bestimmen.

  • Nahrungsverwertung Wolf: zusätzlich zu den oben genannten Kotanalysen sammeln wir Daten zur Verwertung von Aas mit Wildkameras. Darüber können wir dies Verwertungsgeschwindigkeit zu beobachten und die verschiednenArten von Aasfressern zu bestimmen.

Haben wir eigene Bilder??

Rothirschlosung zur Bestimmung der Populationsgrösse

Besendertes Hirschkalb aus einem Projekt der TU Dresden

Mehr Bilder für Galerie?!Original bild von Adler

Bewegungsverhalten und Lebensraumnutzung Rothirsch

Die Rückkehr des Wolfes kann seine Beutetiere nicht nur direkt betreffen, weil sie gejagt werden, sondern er kann auch indirekt Einfluss nehmen, wenn zum Beispiel die Beutetiere ihr Verhalten und die Lebensraumnutzung verändern, um eine Bejagung zu vermeiden.  Studien zu den indirekten Folgen einer Rückkehr von Wölfen stammen meist aus Nordamerika (z.B. Studien im Yellowstone National Park),     sind aber kaum vergleichbar mit der dicht besiedelten Kulturlandschaft in Mitteleuropa. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr zum Beispiel wurde das Rotwildmanagement so angepasst, dass Rothirsche sich vermehrt im Offenland aufhalten und sich dort ihr Futter suchen, damit Schäden im Wald reduziert werden (siehe Rotwildmanagement in Grafenwöhr). Wölfe, die nun aktiv Rothirsche jagen, könnten dieses eingespielte Gleichgewicht aus der Ruhe bringen. So könnten Rothirsche ihre Lebensraumpräferenzen an die Anwesenheit der Wölfe anpassen und sich zum Beispiel vermehrt im Wald aufhalten, was wiederum Konsequenzen für das Wildtiermanagement haben würde. 

Wir kombinieren Fotofallendaten und Telemetriedaten von Wölfen mit denen von Rothirschen, um die Auswirkungen der Wolfspräsenz auf das Bewegungsverhalten und die Lebensraumnutzung der Rothirsche zu ermitteln.

In einem ersten Schritt versuchen wir Auffälligkeiten im Bewegungsverhalten der Hirsche zu finden und zu analysieren ob solche Auffälligkeiten (wie zum Beispiel extreme Unterschiede in pro Tag zurückgelegten Distanzen) sich seit dem ersten Wolfsnachweis häufen.  

Bewegung unserer Sendertiere über das Jahr 2016

Besenderung der Rothirsche

Üblicherweise werden bei einer Betäubung aus der Distanz zu besendernde Tier im freien Gelände mit einem Gasgewehr geschossen. Da sich Tiere auch nach einer erfolgreichen Injektion noch mehrere 100 m wegbewegen können, bevor die Narkose wirkt (abhängig vom Stresslevel und der Kondition der Tiere), muss man sich nach dem Schuss auf Nachsuche begeben. Diese kann mehrere Stunden dauern und ist aufgrund der militärischen Nutzung des TrÜbPl nicht möglich. Deshalb werden vor Ort zwei verschiedene Fangsysteme genutzt: Das Fangen im Kral, sowie der Netzfang. 

Ein Kral misst ca. 20 m im Durchmesser und das Tor lässt sich über Funk verschließen. Aus sicherer Distanz kann ein Beobachter somit das Tor auslösen, sobald sich eine richtige Konstellation an Tieren im Kral befindet. Nach Schließen des Tores wird sich ruhig genähert und mit einem Blasrohr immobilisiert. Mit dieser Methode können sowohl männliche als auch weibliche Rothirsche gefangen werden. Beim Netzfang hingegen werden ausschließlich weibliche Tiere gefangen, da für männliche Rothirsche mit Geweih eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Genau wie beim Kral wird das Netz über einen Beobachter in Sichtweite ausgelöst und danach wiederum mittels eines Blasrohrs immobilisiert.

Bei beiden Fangmethoden wird nach der Immobilisation den Tieren mit einer Decke die Sicht genommen, um sie zu beruhigen. Wenn das Toleranzstadium der Narkose erreicht ist, erfolgt die Besenderung, um das Tier anschließend in Brustbauchlage aufwachen zu lassen.

Männliche Rothirsche im Fangkral​

Männlicher Rothirsch ("Graf Heinrich")zum Zeitpunkt des Narkoseeintritts

Einzel Bilder für Galerie?!

Netzfang von Rothirschen

Mit Hilfe von GPS-Telemetrie, Fotofallen, Analysen der Nahrungszusammensetzung und weiteren Forschungsmethoden werden Raumnutzung und Verhalten der Wölfe erforscht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage ob und wie Wölfe siedlungsnahe Bereiche nutzen sowie auf der Identifizierung potentieller Konflikte mit der Haltung von Weidetieren

Es wird untersucht, welche Folgen die Wiederbesiedlung der Kulturlandschaft durch den Wolf für verschiedene Formen der Landnutzung mit sich bringt. Weideflächen in der Region werden kartiert und Nutztierhalter zum Einfluss der Wolfspräsenz auf die Weidehaltung befragt. Mögliche Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung in Wald und Offenland werden anhand von Verbissaufnahmen, Ausschlussexperimenten sowie Erhebungen der lokalen Dichte von Reh und Rothirsch erfasst.

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr untersuchen wir zudem die Räuber-Beute-Beziehung zwischen Wolf und Rothirsch. Rothirsche werden mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihr Verhalten und Lebensraumnutzung hinsichtlich möglicher Veränderungen durch die zunehmende Wolfspräsenz zu analysieren. Die jährliche Jagdstrecke liefert Kennzahlen zur Populationsdynamik und -struktur des Rothirschbestands. 

Wolf und Verhalten
Wolf und Landnutzung
Wolf und Rothirsch
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Die Wiederbesiedelung der Kulturlandschaft durch den Wolf -

Lebensraumnutzung, Auswirkungen auf Beutetiervorkommen und mögliche Folgen

für die regionale Land- und Forstwirtschaft 

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